Wann ist man ein Schriftsteller?

honnef-heute.de berichtete über die Lesung im Kursaal. http://www.honnef-heute.de/literaturtage-endeten-mit-krimiabend/
Am Wochenende fanden die Literaturtage NRW in Bad Honnef statt, organisiert vom Landesbezirk des Verbandes der Schriftsteller. Im Rahmen der vielen Schullesungen und weiteren Veranstaltungen trafen sich am Samstag die Autorinnen und Autoren zur Mitgliederversammlung. Sie wählten eine neue Landesvorsitzende, Sabine Lipan, und bestätigten die stellvertretende Landesvorsitzende Gitta Edelmann und den Geschäftsführer Dietmar Damwerth.

Wer ist eigentlich Schriftsteller? Auch diese Frage wurde diskutiert, auf der Mitgliederversammlung wurde das unter eher satzungstechnischen Fragen besprochen: Können auch „Selfpublisher“ in den Schriftstellerverband aufgenommen werden?

Im Syndikat der deutschsprachigen Krimiautoren ist diese Frage vor Jahren nach heftiger Debatte positiv beantwortet worden. Beim VS wird noch gerungen. Etwas überrascht war ich bei einer Formulierung, die ich sonst nur aus Amtsstuben kenne: Autoren, die ihre Bücher selbst verlegen, könnten nur dann in den Schriftstellerverband aufgenommen werden, wenn sie mit „Gewinnerzielungsabsicht“ arbeiteten.

Es wurden weitere Bedingungen genannt, aber die „Gewinnerzielungsabsicht“ setzte sich in meinem Gehirn fest.

Zum Abschluss der Literaturtage fand eine Lesung im Kursaal von Bad Honnef statt. Bürgermeister Otto Neuhoff hielt eine launige und kurze Begrüßungsrede, die „Night Train Big Band“ der Musikschule Bad Honnef spielte Beatles und James-Bond, Schriftsteller Jürgen Alt moderierte wortgewandt und interviewte die lesenden Protagonisten des Abends, Christiane Höhmann, Mechthild Borrmann und Edgar Franzmann, ja, ich hatte die Ehre und durfte als letzter Aktiver bei den Literaturtagen auftreten und aus meinem Krimi „68“ vortragen.

Christiane Höhmann las ihre Kurzgeschichte „Unkraut“. Mechthild Borrmann, 2012 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet, las den Brief einer Mutter an ihren Sohn, der zum Mörder wurde. Ein eindringlicher Text voller Kraft und Nachdenklichkeit.

Ich fragte Mechthild, wo der Brief erschienen wäre. Sie sagte, den Text gäbe es in keinem Buch.

Mir fiel die Diskussion des Vormittages wieder ein. Es war offensichtlich, dass Mechthild Borrmann diesen Brief ohne „Gewinnerzielungsabsicht“ geschrieben hatte. Möglicherweise ist er gerade deswegen so gut geworden. Wenn das ihr Erstlingswerk gewesen wäre, wäre sie dann keine Schriftstellerin im Sinne der VS-Satzung?

Am Abend fand ich zu Hause die Abrechnung der Buchverkäufe meines Krimis „68“ im Briefkasten. Eine ernüchternde Lektüre. Ja, ich hatte schon mitbekommen, dass der Buchverkauf unterhalb der Bestseller-Kategorie im Jahr 2017 zurückgegangen war, aber dass ich auch selbst davon betroffen sein könnte, hatte ich verdrängt.

Ich sehe schon das triumphierende Gesicht meiner Sachbearbeiterin beim Finanzamt vor mir: „Herr Franzmann, das sieht aber nicht wirklich nach Gewinnerzielungsabsicht aus.“

In meinen Regalen stehen viele Schreibratgeber. In einem fand ich den Satz: „Schriftsteller ist man, wenn man schreibt.“

Fünfzehn Monate schreiben, fünfzehn Minuten Lesen

Das Cover von „68“

Wie lange schreibe ich an einem Roman? Von der ersten Idee bis zum fertigen Manuskript können es bei mir schon mal 15 Monate werden. Und wie lange darf ich am kommenden Samstag aus meinem neuen Krimi vorlesen? Fünfzehn Minuten.

Trotzdem freue ich mich auf die Lesung zum Abschluss der NRW-Literaturtage am 14. April 2018 um 19 Uhr im Foyer-Kursaal Bad Honnef. „Schluss mit Romantik“ ist Motto des Abends mit den Kolleginnen Mechtild Borrmann und Christiane Höhmann.  Jürgen August Alt wird moderieren, die Big Band Musikschule Bad Honnef wird aufspielen und mindestens einen Beatles-Hit aus dem Jahr 1968 spielen. So viel weiß ich schon.

Ich werde aus „68“ lesen, meinem Krimi, der fünfzig Jahre zurückblickt in das Jahr der Studentenrevolte. Seit einigen Tagen versuche ich, meinen Lesetext auf fünfzehn Minuten zu bringen. Klar ist, dass ich einen Ausschnitt aus der Anfangsszene und einen Auszug aus der Demonstrationsszene lesen werde. Bislang benötige ich dafür noch fünfundzwanzig Minuten, also muss weiter gekürzt werden.

Aber, wie heißt es so schön: In der Kürze liegt die Würze.

 

abrazos.de – mein Tango-Blog

Was tut ein Schriftsteller, wenn er nicht gerade schreibt? Er tanzt Tango, jedenfalls ist das bei mir so, falls ich nicht auf Reisen bin. Und deshalb habe ich vor einigen Wochen mit einem eigenen Tango-Blog begonnen: abrazos.de.

“Abrazos” ist spanisch und heißt “Umarmungen”. “El abrazo” ist die enge Umarmung im Tango argentino, die den besonderen Reiz dieses Tanzes ausmacht. Ich bin schon etwas länger jung (*1948) und habe den Tango 2006 für mich entdeckt. Ich sehe mich als “mittelmäßig fortgeschrittenen Anfänger” und schreibe über meine Erfahrungen. ¿Bailamos? Darf ich bitten?

Natürlich liegt der Blick auf den aktuellen Tanz-Erfahrungen, aber manchmal gibt es auch einen Blick in die Geschichte – mit zum Teil sehr interessanten Entdeckungen, wie in dem Beitrag: „Als Tango noch proletarisch war„.