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	<title>franzmann.de &#187; Wagner</title>
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		<title>K&#246;lns “Meistersinger” als Casting-Show</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Sep 2009 12:57:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>edgar</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Fast sechs Stunden “Meistersinger”: Mit Wagners Mammut-Oper leitete K&#246;lns neuer Intendant Uwe Eric Laufenberg am 20. September 2009 seine erste Spielzeit ein. Das Publikum lohnte es mit sehr gro&#223;em Beifall. Laufenbergs Konzept, der Intendant f&#252;hrte in seiner ersten Premiere auch<span class="ellipsis">&#8230;</span> <a href="http://www.franzmann.de/2009-09-21-koelns-meistersinger-als-casting-show/"><div class="see-more">See more &#8250;</div><!-- end of .see-more --></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Fast sechs Stunden “Meistersinger”: Mit Wagners Mammut-Oper leitete Kölns neuer Intendant Uwe Eric Laufenberg am 20. September 2009 seine erste Spielzeit ein. Das Publikum lohnte es mit sehr großem Beifall.</p>
<p>Laufenbergs Konzept, der Intendant führte in seiner ersten Premiere auch Regie, ist klar erkennbar: Er will die Kölner zurück in die Oper holen, nicht nur irgendwohin, sondern zurück in den Riphan-Bau am Offenbach-Platz, der nach dieser Spielzeit renoviert werden und drei Jahre später in neuem Glanz auferstehen soll. Er will zeigen, dass Oper nicht nur ein Relikt aus alter Zeit für konservative Eliten sein muss, sondern dass Oper auch heute etwas zu sagen hat und “Oper für alle” sein kann. Das vermittelt er zum Glück nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern schlüssig und teilweise sogar humorvoll.</p>
<p>Den 1. Akt lässt Laufenberg im Mittelalter spielen, in der Zeit also, in der der Stoff angesiedelt ist. Aber den Stolzing, der als Fremder in die Gilde der Meistersänger eindringt, lässt Laufenberg in der Kleidung des 20. Jahrhunderts aus dem Parkett auf die Bühne steigen, das Foto-Handy immer griffbereit. Die Darstellung auf der Bühne bleibt aber ganz konservativ, dass sogar alte Bayreuth-Besucher in der Pause schwärmen: “Endlich mal keine Mätzchen.”</p>
<p>Den 2. Akt siedelt Laufenberg im 19. Jahrhundert an, in der Zeit, in der Wagner die Oper geschrieben hat. Eine Prügelei endet als Blutbad hinter Barrikaden, eine Anspielung auf die Revolution von 1848.</p>
<p>Den 3. Akt verlegt Laufenberg ins 20. Jahrhundert nach Köln, zunächst in die 50er-Jahre mit Video- und Foto-Rückblicken auf die kriegszerstörte Stadt Köln und die Nazi-Zeit (die “Meistersinger” gehörten zur Inszenierung der NS-Reichsparteitage in Nürnberg).</p>
<div id="attachment_732" class="wp-caption aligncenter" style="width: 406px"><a href="http://www.franzmann.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/meistersinger-finale-kerst.jpg"><img src="http://www.franzmann.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/meistersinger-finale-kerst.jpg" alt="Meistersinger: Das Finale" title="meistersinger-finale-kerst" width="396" height="324" class="size-full wp-image-732" /></a><p class="wp-caption-text">Meistersinger: Das Finale</p></div>
<p>Die Schlussszene spielt im heutigen Köln mitten auf dem Offenbachplatz zwischen 4711-Haus und Opernbau beim Public Viewing einer Casting-Show wie “Deutschland sucht den Superstar” gemischt mit Elementen von Linus “Talentprobe”. Gekrönt wird die Szenerie - wie bei solchen Anlässen üblich - von einer großen Video-Wand, auf der mal das aktuelle Programm, mal historische Aufnahmen, mal auch ganz profan Werbeeinblendungen gezeigt werden (die sich die Oper nicht bezahlen lässt).</p>
<p>Dieses letzte Bühnenbild überrascht besonders, denn die Zuschauer in der Oper sehen aus der Oper hinaus auf den Platz vor der Oper, wo das Volk auf die Auftritte der Meistersinger wartet, während die Honoratioren vom typischen Opernhaus-Balkon ganz wörtlich auf das Treiben da unten hinabblicken.</p>
<p>Die Fülle der Video-Anspielungen versteht vielleicht nur, wer den historischen Hintergrund kennt (oder das sehr informative Programmheft gelesen hat), die Schluss-Inszenierung aber der “Meistersinger” als manipulative “Casting-Show” wird sofort einsichtig, vor allem in der “Medienstadt Köln”, in der ja solche Formate wie “Deutschland sucht den Superstar” produziert werden.</p>
<p>Wenn am Schluss Stolzing, der es nur durch freundliche Manipulation auf die Bühne geschafft hat, sein Meisterlied singt, dann flimmert über ihm gleich das fertig produzierte Kitsch-Video über die Leinwand. Dieter Bohlen könnte neidisch werden. In diesen Szenen spürt jeder im Saal aber auch, wie stark solche neuen Medien vom Live-Gesang auf der Bühne ablenken.</p>
<p>Ist das der Grund, warum Marco Jentzsch, der Sänger des Stolzing, am Ende nicht ganz so gefeiert wurde wie die anderen? Robert Holl als Hans Sachs - die Rolle singt er seit zehn Jahren auch in Bayreuth - wurde geradezu frenetisch bejubelt, aber auch die anderen “Meistersinger” wie Bjarni Thor Kristinsson (als Pogner) und Johannes Martin Kränzle(als Beckmesser) wurden minutenlang beklatscht - wie verdientermaßen das gesamte Ensemble.</p>
<p>Das Gürzenich-Orchester unter Generalmusikdirektor Markus Stenz war ein brillanter Begleiter, Chor und Extra-Chor der Oper überzeugten von der ersten bis zur letzten Szene. </p>
<p>Intendant Laufenberg wartete einige Minuten, bis er mit seinem Team (Tobias Hoheisel, Bühne &amp; Kostüme, Wolfgang Göbbel, Licht), auf die Bühne kam, wohl weil er Sängern und Orchester den Beifall gönnen wollte, ehe er selbst vielleicht den Unmut des Publikums abbekäme, aber auch der Intendant wurde in den allgemeinen Jubel mit einbezogen. </p>
<p>Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt einer neuen Spielzeit. Vielleicht wird das ja noch was in Köln mit dem Ziel: Oper für alle! </p>
<p>(Kritik geschrieben für <a href="http://www.koeln.de/koeln/koelns_meistersinger_als_castingshow_219228.html">koeln.de</a>)</p>
<div id="attachment_730" class="wp-caption aligncenter" style="width: 435px"><a href="http://www.franzmann.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/meistersinger-8176435.jpg"><img src="http://www.franzmann.de/wordpress/wp-content/uploads/2009/09/meistersinger-8176435.jpg" alt="Meistersinger in K&#246;ln: Oper in der Oper" title="Meistersinger" width="425" height="273" class="size-full wp-image-730" /></a><p class="wp-caption-text">Meistersinger in Köln: Oper in der Oper</p></div>
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		<title>Einmal Wagner bitte mit W&#252;rstchen und Senf</title>
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		<pubDate>Sun, 22 Mar 2009 23:05:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>edgar</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Kritik]]></category>
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		<description><![CDATA[Kritik der Premiere “Tristan und Isolde” in der Oper K&#246;ln am 22. M&#228;rz 2009, geschrieben f&#252;r koeln.de Von EDGAR FRANZMANN Wer sich auf eine Wagner-Oper einl&#228;sst, wei&#223;, was er wagt: Unter f&#252;nf Stunden geht es selten ab. Die K&#246;lner Premiere<span class="ellipsis">&#8230;</span> <a href="http://www.franzmann.de/2009-03-23-einmal-wagner-bitte-mit-wuerstchen-und-senf/"><div class="see-more">See more &#8250;</div><!-- end of .see-more --></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Kritik der Premiere “Tristan und Isolde” in der Oper Köln am 22. März 2009,<br />
<a href="http://www.koeln.de/koeln/kultur/einmal_wagner_bitte_mit_wuerstchen_und_senf_144605.html">geschrieben für koeln.de</a></p>
<p>Von EDGAR FRANZMANN</p>
<p>Wer sich auf eine Wagner-Oper einlässt, weiß, was er wagt: Unter fünf Stunden geht es selten ab. Die Kölner Premiere von “Tristan und Isolde” am Sonntagabend war nach  vierdreiviertel Stunden zu Ende - danach begann das Spektakel im Parkett und auf den Rängen mit einem vielstimmigen Konzert aus Buh-Rufen und Beifall.</p>
<p>Der erste Buh-Ruf kam so punktgenau und so kraftvoll nach dem letzten Ton des dritten Aktes, dass man dahinter eine musikalische Fachkraft vermuten durfte, die mit dem Gebotenen nicht zufrieden war. Wagner-Opern sind ja unter anderem auch dadurch gekennzeichnet, dass das Publikum aus Experten und Jüngern besteht, die Aufführungen ihres Lieblingskomponisten auf allen Kontinenten begutachten, und vor allem natürlich in Bayreuth, dem Tempel der Wagnerianer. Da kann Köln nicht mit.</p>
<p>Ein Kenner, von dem ich weiß, dass er Musik studiert hat, erläuterte mir, dass es Wagner-Sänger und Sängerinnen gebe, die drei bis vier Klassen höher anzusiedeln seien als die Kölner Protagonisten Annalena Persson (Isolde) und Richard Decker (Tristan). Die beiden wurden am Ende böse ausgebuht. Das tat sogar meinem studierten Kenner leid. Mein Urteil fiel ohnehin besser aus, und ich war nicht der einzige, der klatschte. Ungeteilten Beifall bekamen aber nur Samuel Youn (Kurwenal) und Alfred Reiter (König Marke).</p>
<p>Die heftige Reaktion des Publikums beweist aber auch, dass die Aufführung nicht ermüdend war. Die Einschlaf-Quote blieb gering, da habe ich mal bei einer Robert-Wilson-Inszenierung in Hamburg viel mehr Geschnarche erlebt. Die Kölner Inszenierung von David Puntney, Intendant der erfolgreichen Bregenzer Festspiele, entließ die Besucher, die bis zum Schluss blieben, hörbar munter nach Hause.</p>
<p>Ein Vater in der Reihe hinter mir hatte seinen 11-jährigen Sohn mitgebracht. “Als Belohnung oder als Strafe?”, fragte ich. Der Vater nahm die Frage mit Humor. Sein Sohn singe selber im Kölner Domchor und habe schon einige Opern-Erfahrung. Eigentlich wollten sie sich in Bonn Mozarts “Entführung aus dem Serail” ansehen, weil der Junge das gerade in der Schule durchnehme. Das habe aus Termingründen nicht geklappt, da sei man auf den Wagner ausgewichen.</p>
<p>Der Junge stand den Opern-Marathon locker durch. Der zweite Akt habe ihm am besten gefallen. Das kann man nachvollziehen, denn im zweiten Akt ging es so richtig rund. Auf der Bühne (Bühnenbild: Robert Israel) stapelten sich überformatige Klötze, Platten und Latten, die wie ein Holzspielkasten wild durcheinander gekippt waren, aber dadurch, dass sie auf der Drehbühne langsam rotierten, beständig neue Eindrücke und überraschende Einblicke boten, was durch den bunten Licht-Einsatz (Licht: Hans Toelstede) noch verstärkt wurde.</p>
<p>Die anderen Bilder malten eher Grau in Grau. der erste Akt spielt auf einem Schiff auf hoher See, der dritte Akt auf einem Friedhof, wobei Tristans Sarg passenderweise auch wieder Schiffsform zeigt.</p>
<p>Worum geht es in dem Stück? Ich mache es mir einfach und zitiere den Inhalt aus dem Programmheft. Ungekürzt. Da heißt es:</p>
<p>“1. Aufzug - Isolde wird von Tristan für König Marke von Irland nach Kornwall gebracht. Isolde will mit Tristan den Tod trinken. Tristan will mit Isolde den Tod trinken. Isoldes Vertraute Brangäne vertauscht Todes- und Liebestrank.</p>
<p>2. Aufzug - Isolde erwartet Tristan. Brangäne warnt vergebens. Tristan und Isolde vergessen die Welt. Melot verrät sie. Sie werden von König Marke entdeckt. Tristan stürzt in Melots Schwert.</p>
<p>3. Aufzug - Tristan erwartet den Tod. Sein Vertrauter Kurwenal hat nach Isolde geschickt. Tristan stirbt mit Isoldes Ankunft. Brangäne, Marke und Melot tauchen auf. Kurwenal tötet Melot und kommt selbst ums Leben. Isolde entrückt.”</p>
<p>Diese “Handlung” auf vierdreiviertel Stunden - ohne Wagners Musik wäre das sicher nicht auszuhalten. Die ist beim Gürzenich-Orchester unter der  Leitung von Generalmusikdirektor Markus Stenz gut aufgehoben.</p>
<p>Und wie ist jetzt die Empfehlung des Kritikers, hingehen oder nicht hingehen? Mich selbst hat es nicht wirklich mitgerissen. Wagner ist nicht meine Musik. Andere geraten bei Wagner ins Schwärmen. Geschmacksache eben.</p>
<p>A propos Geschmack: Zum Schluss noch eine kulinarische Überraschung - in den beiden großzügig bemessenen Pausen gab es nicht nur den Opern-typischen Sekt und die unvermeidlichen Event-Brezeln, sondern auch ganz rustikale Würstchen und Frikadellen zu akzeptablen Preisen von jeweils 3,50 Euro.</p>
<p>Wagner mit Würstchen und Senf. Gibt es auch nicht alle Tage. Am besten ist es, Sie kommen selbst auf den Geschmack.</p>
<p>Tristan und Isolde<br />
von Richard Wagner<br />
Premiere am 22. März 2000, 16.00 - 20.45 Uhr</p>
<p>Musikalische Leitung: Markus Stenz; Inszenierung: David Pountney; Bühnenbild: Robert Israel; Kostüme: Marie-Jeanne Lecca, Dramaturgie: Oliver Binder; Licht: Hans Toelstede; Chor: Andrew Ollivant; Gürzenich-Orchester Köln, Herrenchor der Oper Köln;</p>
<p>Isolde: Annalena Persson; Brangäne: Dalia Schaechter; Tristan: Richard Decker; König Marke: Alfred Reiter; Kurwenal: Samuel Youn; Melot: Gerardo Garciacano; Ein Hirt: Johannes Preißinger; Ein Steuermann: Jong Min Lim; Ein junger Seemann: Jeongki Cho.</p>
<p>Weitere Vorstellungen am: 27. März; 03., 11., 23., 26. April; 03., 08., 21., 24. Mai 2009</p>
<p>Weitere Infos zum Stück auf der Website der Oper Köln. </p>
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