Buch über Kathmandu

Der Swayanbhunath-Tempel ist eines der bedeutendsten Heiligtümer in Kathmandu, natürlich auch UNESCO-Weltkulturerbe. Den golden glänzenden Turm der Stupa schmückt die Darstellung der Augen Buddhas mit dem roten Punkt zwischen den Brauen als Symbol des spirituellen dritten Auges.

In meinem nächsten Kriminalroman wird “Das dritte Auge” eine Rolle spielen. Mein Schriftstellerkollege Erich Schaake hat sogar vorgeschlagen, daraus den Titel des neuen Buches zu nehmen. Als Arbeitstitel ist er mir auf jeden Fall sehr hilfreich.

Die neue Story wird in Köln und Kathmandu, Nepals Hauptstadt, spielen. Ich habe die Absicht, den Roman bis zum Herbst fertigzustellen, sodass er im Frühjahr 2016 erscheinen könnte.

Nachdenken über Nepal

Foto: Mit Dilu Panta, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Youth Federation Nepal, Yogesh Dakal, Reporter bei The New Paper Kathmandu, Edgar Franzmann, Mohan Prasad Gyawali, Section Officer im nepalesischen Finanzministerium, und Rolf Schmelzer.

Nepal lässt mich nicht los. Während meiner Reise in das Land am Himalaya habe ich nicht nur großartige Schönheit von Landschaften und Kulturstätten erfahren, sondern auch die Bekanntschaft von interessanten Menschen gemacht. Zu einem ganz besonderen Treffen kam es, als Mohan Gyawali vom nepalesischen Finanzministerium ein Abendessen mit der Nachwuchspolitikerin Dilu Panta und dem Journalisten Yogesh Dakal organisierte. An meiner Seite war Rolf Schmelzer, der seit vielen Jahren in Nepal lebt.

Besonders Dilu stritt für Frauenrechte, wurde dabei von den Männern am Tisch sehr unterstützt. Nepal ist eine patriarchalische Gesellschaft, die Staatsbürgerschaft wird traditionell nur über den Vater weiter gegeben. Mit der Revolution 2008, die die Monarchie beendete, wurde die Rolle der Frau deutlich gestärkt. In der Übergangsverfassung heißt es seitdem: Die Staatsbürgerschaft kann durch Vater ODER Mutter weitergegeben werden.

Nun ist es mit der Revolution in Nepal nicht viel anders als in anderen Ländern: Die Reaktion schlägt zurück. Der Beamtenapparat weigert sich, die Gleichberechtigung der Frau tatsächlich anzuerkennen. Im Entwurf der neuen Verfassung soll das Recht denn auch offiziell zurückgedreht werden. Die neue Version lautet: Die Staatsbürgerschaft wird durch Vater UND Mutter weitergegeben, womit beide gemeint sind.

Nun ist die Wirklichkeit aber so, dass in Nepal an die viereinhalb Millionen Kinder bei alleinerziehenden Müttern leben und kein Vater da ist, der eine Einbürgerung unterschreiben könnte. Wer aber nicht eingebürgert ist, erhält auch keine Bürgerrechte – mit allen dramatischen Folgen.

Zum Glück hat die amtierende Regierungsmehrheit bis jetzt noch darauf verzichtet, diesen Verfassungsentwurf mit Mehrheit durchs Parlament zu bringen. Noch herrscht der Wille vor, wenigstens die Verfassung unter möglichst großer Zustimmung zu verabschieden, vor allem auch mit der Zustimmung derjenigen, die die Hauptlast der Revolution getragen haben.

Je mehr ich über Nepal nachdenke, desto mehr spüre ich den Drang, über das Land einen Roman zu schreiben. Seit heute Abend habe ich auch eine erste Idee für einen Krimi zwischen Köln und Kathmandu. Ich glaube, Georg Rubin muss auf die Reise gehen.

Kathmandu, Stadt des Glücks

Rolf am Lagerfeuer
Rolf am Lagerfeuer
Kathmandu, Stadt des Glücks

“Was ist für dich Glück?”, fragte Rolf die Kanadierin Michelle, die mit uns am Lagerfeuer im Kathmandu Guest House saß.

Sie antwortete: “Ich bin den letzten Tag in Nepal. Es ist der Mittelpunkt meiner zweimonatigen Weltreise. Ich habe viel zu viele warme Klamotten im Koffer. Bei uns in Quebec ist Winter, hier dagegen fast schon Sommer. Und ich will noch weiter gen Süden. Deshalb bin ich heute durch Kathmandu gegangen und habe meine Sachen verschenkt.

Eine arme Frau bekam meine gute Daunenjacke. Sie weinte vor Glück, ich auch, als ich sie weinen sah.

Michelle aus Quebec (l.)
Michelle aus Quebec (l.)
Dann sah ich einen alten Mann mit löchrigen Schuhen. Ich bat ihn, seinen Fuß neben den meinen zu stellen. Die Größe stimmte. Ich habe ihm meine kniehohen Stiefel geschenkt. Er zog sie an und war glücklich. Ich war glücklich über sein Glück.

Das also ist meine Antwort: etwas geschenkt zu bekommen ist Glück, aber auch etwas zu verschenken ist Glück.”

Sollten Sie demnächst einen alten Mann mit Damenstiefeln sehen, nicht wundern, sondern einfach glücklich sein.

(Edgar Franzmann, Januar 2015, geschrieben für meine Lesung am 23. Januar 2015 im Goethe-Zentrum Kathmandu. Das Bild entstand im Garten des Kathmandu Guest House.)