68 – Der Krimi – Wie ich die Studentenrevolte fast verpasst hätte

(Das Bild oben zeigt die Fachschaft Philosophie vor den Räumen des Republikanischen Clubs in der Straße Am Römerturm. Ich bin derjenige, der vor bzw. hinter dem Polizeiauto liegt. Foto: Jens Hagen)

Das Cover von „68“
Ja, ich bin ein „68er“. Ja, ich habe einen Krimi über die Studentenrevolte geschrieben – 50 Jahre danach.

Ich kam Mitte 1967 an die Kölner Uni und habe die Studentenrevolte miterlebt, die man später als „68er-Bewegung“ bezeichnete. Für mich waren das prägende Jahre, obwohl ich für die Studentenbewegung ganz sicher weniger wichtig war, als die Studentenbewegung für mich.

Dabei hätte ich die heiße Zeit um ein Haar verpasst, wie mir bei einem Klassentreffen in diesen Tagen – 50 Jahre nach dem Abitur – in Krefeld-Uerdingen bewusst wurde.

Es war Zufall, dass wir schon im Sommer das Abitur machen durften, schuld war die damalige Umstellung des Schuljahresbeginns von Ostern auf die Zeit nach den Sommerferien. Anstatt uns drei Monate länger im Gymnasium zu halten, verkürzte man unsere Schulzeit um neun Monate, indem man zwei „Kurzschuljahre“ durchführte. Ohne diese Kurzschuljahre wären wir also erst Ostern 1968 „reif“ gewesen und nicht schon im Sommer 1967. Für mich hieß das: Ich bekam schon die tödlichen Schüsse auf Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 in der politisierten Uni-Wirklichkeit mit und nicht erst das Oster-Attentat auf Rudi Dutschke im Jahre 1968.

Und es gab noch einen Grund, warum ich die Studentenrevolte beinahe verpasst hätte: Ich hatte die Einberufung zur Bundeswehr, am 1. Oktober 1967 hätte ich zu den Panzergrenadieren in Leer/Ostfriesland einrücken sollen. Ich hatte einen Antrag auf „Kriegsdienstverweigerung“ gestellt, der aber im September 1967 noch nicht entschieden war. Damals musste man vor einer Kommission der Bundeswehr beweisen, dass man tatsächlich pazifistisch eingestellt war. (Fragenbeispiel: Was würden Sie tun, wenn ein Russe Ihre Freundin im Stadtwald vergewaltigt und Sie hätten eine Waffe dabei?).

Der Weg sah zwei Instanzen vor, eine am Heimatort, in meinem Fall war das Krefeld, und eine Berufungsinstanz, die in Düsseldorf war. Als abzusehen war, dass mein Verfahren nicht rechtzeitig vor dem 1. Oktober stattfinden könnte, machte mir die Bundeswehr ein Angebot: Wenn ich auf die erste Instanz verzichten würde, dann könnte mein Verfahren in zweiter Instanz abschließend geklärt werden. Das würde vor dem 1. Oktober sein, aber ich hätte dann keine Berufungsmöglichkeit mehr. Ich war einverstanden.

Die Verhandlung fand am 21. Oktober 1967 in Düsseldorf statt. Ich weiß das Datum so genau, weil es mein Geburtstag war. Und tatsächlich, ich bekam meine Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer und musste am 1. Oktober nicht zur Bundeswehr, sondern konnte mein Studium in Köln beginnen.

Falls ich abgelehnt worden wäre, hätte ich erst im Herbst 1969 an die Uni gehen können, also zu einer Zeit, als die Studentenrevolte mehr oder weniger bereits vorbei war und die sozialliberale Zeit unter Willy Brandt begann.

Für mich war immer klar, dass ich einen Krimi über diese Zeit schreiben würde. Mit „68“ liegt dieses nun Buch vor. Dazu habe ich meinem Helden Georg Rubin rechtzeitig einen Vater gegeben, Paul Rubin, der schlauerweise genauso alt wie ich ist und deshalb von 1968 aus erster Hand berichten kann.

„68“ ist ein Krimi, der 50 Jahre später spielt, also im Jahr 2018, aber er gibt auch tiefe Einblicke in die alten Zeiten, die alternativen und spaßigen, aber auch in die später folgenden verirrten und terroristischen, die 1977 u.a. zur Entführung von Hanns-Martiun Schleyer in Köln führten.

Ich halte das Buch für absolut lesenswert.

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