Partei ergreifen

Darf ein Schriftsteller Partei ergreifen? Selbstverständlich darf er das. Und deshalb engagiere ich mich zur Zeit als Vorsitzender des SPD-Stadtbezirks Lindenthal. Die SPD im Kölner Westen ist in einer Übergangsphase. Sie muss jünger werden, besser ins Gespräch kommen, näher an die Bürger ran. Dabei will ich mithelfen. In einem Jahr werde ich mein Amt niederlegen, weil ich dann auf große Reise gehen und neue Bücher schreiben will. Bis dahin bleibe ich aktiv. Am Sonntag etwa organisierte ich mit anderen einen Sommerempfang im Geißbockheim des 1. FC Köln. Hier mein bericht für suelz-koeln.de.

Jochen Ott

Jochen Ott

„Rut un wieß“ war das Motto des Sommerempfangs des SPD-Stadtbezirks Lindenthal am Sonntag im Geißbockheim des 1. FC Köln. Rot und Weiß sind ja nicht nur die Farben des FC und der Stadt Köln, sondern auch die der Sozialdemokratischen Partei. Gut 80 Bürger waren gekommen, um zu feiern, zu reden und vor allem, den Oberbürgermeisterkandidaten der SPD, Jochen Ott, kennenzulernen.

Ott nah sich volle zweieinhalb Stunden Zeit für die Lindenthaler. In einer viel beklatschten Rede erläuterte er seine Schwerpunkte für den Stadtbezirk.

Köln werde in den kommenden 20 Jahren um 200.000 Menschen wachsen. Alleine im letzten Jahr seien 1000 Kinder geboren worden. Schon jetzt wisse man also, dass in zwei Jahren gut 500 neue Kita-Plätze gebraucht würden, in drei Jahren 1000 Kindergartenplätze, in sechs Jahren 1000 Plätze an Grundschulen, in zehn Jahren 1000 Plätze an weiterführenden Schulen. Und diese Entwicklung werde Jahr um Jahr fortgesetzt. Also müsse man auch Jahr um Jahr neu planen und neu bauen, am besten so, dass aus den Kindergärten irgendwann auch Seniorenheime werden könnten. Und alle diese Einrichtungen müssten nah bei den Menschen errichtet werden. Es sei keine gute Politik, die Kinder kreuz und quer durch die Stadt zu fahren, damit sie zur Schule kommen. Schulen müssten auch an den Nahverkehr angeschlossen sein. Deshalb sei es wirklich ein schwerer Fehler gewesen, dass die eigentlich für Lindenthal vorgesehene Gesamtschule nicht hier, sondern in Vogelsang im Stadtbezirk Ehrenfeld gebaut werde. Die SPD hatte einen Standort an der Aachener Straße in Braunsfeld gefordert, war damit aber unterlegen. Ott: „Ich sage Ihnen, dass dieselben Eltern und dieselben Politiker, die jetzt für die Verlegung nach Vogelsang gestimmt haben, in sechs Jahren kommen und sich beklagen werden, warum der Schulweg nicht kürzer und weniger gefährlich wäre. Gerade Lindenthal hat so viel Grün, da muss es möglich sein, auch einmal eine Schule zu bauen. Köln braucht einen Oberbürgermeister, der klar Partei nimmt, und zwar für die Menschen.“

Ott kündigte an, dass er für den Primat der Politik auch im Rathaus sorgen werde. Manche Entscheidungsprozesse dauerten zu lange, mancher Beamter handle zu bürokratisch. Er werde das angehen und notfalls klare Vorgaben machen und dafür sorgen, dass diese auch eingehalten werden.

Edgar Franzmann, Jochen Ott

Edgar Franzmann, Jochen Ott

Ein Thema war auch der Frischemarkt, der aus der Südstadt nach Marsdorf umziehen soll. Die SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Lindenthal hatte gegen die Pläne der Verwaltung gestimmt und sich letztlich damit auch in der Ratsfraktion durchgesetzt. Ott: „Der Vorschlag, den Großmarkt in öffentlich-privater Partnerschaft zu betreiben und damit dem Betreiber auf Jahrzehnte Gewinne zu sichern, ist eindeutig vom Tisch. Das Verkehrskonzept ist ebenfalls bisher nicht überzeugend. Dass eine Stadt wie Köln einen Großmarkt braucht, damit ein gutes Angebot frischer Ware für die Bürger zur Verfügung gestellt werden kann, ist aber nicht vom Tisch. Das werden wir jetzt kritisch und genau untersuchen und auch entscheiden, von mir aus auch vor der Oberbürgermeisterwahl. Ich halte nichts davon, die Bürger im Unklaren zu lassen.“

Es folgte noch eine sehr lebendige Diskussion an, in der auch andere Themen angesprochen von der Schwierigkeit, eine Kirmes zu betreiben, bis hin zu der Aufnahme von Flüchtlingen, wo viele Bürger sich in Willkommensintitiativen organisierten, aber sich manchmal von der Verwaltung schlecht informiert fühlten. Auch hier blieb Ott keine Antwort schuldig.

Ott schloss an die Rede von Friedhelm Hilgers an, dem neuen Vorsitzenden der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung, der in seiner kurzen Begrüungsrede schon die zentralen Themen für Lindenthal angesprochen hatte. Hilgers gehörte gemeinsam mit Edgar Franzmann, dem neuen Vorsitzenden des SPD-Stadtbezirks, zu den Gastgebern des Sommerempfangs.

Auch in den meisten Ortsvereinen sind inzwischen neue Vorsitzende gewählt worden: Sülz/Klettenberg wird von der jungen Claudia Balkenhol geführt, in Lindenthal hat Holger Fiedler die Nachfolge von Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes angetreten, in Weiden/Lövenich/Junkersdorf/Widdersdorf wurde vor zwei Wochen Gerhard Gros gewählt, in Braunsfeld/Müngersdorf wurde Horst Jacquemot wiedergewählt.

Zahlreiche Mandatsträger waren ins Geißbockheim gekommen, allen voran Lisa Steinmann, direkt gewählte Landtagsabgeordnete im Stadtbezirk Lindenthal, die 2017 wieder antreten wird. Ratsmitglied Eva Bürgermeister war ebenso anwesend wie Wilfried Becker, umweltpolitischer Sprecher der Kölner SPD.

Begrüßt wurden auch Landtagsabgeordnete Gabriele Hammelrath, der Bundestagsabgeordnete Rolf Mützenich und zwei Urgesteine der Lindenthaler Sozialdemokraten, Anke-Brunn, ehemalige Bildungsministerin, und Franz-Josef Antwerpes, Ex-Regierungspräsident, der sich – ganz gegen seine frühere Art – dezent im hinteren Teil des Saales aufhielt.

Nach dem offiziellen Teil gab es Häppchen und ausführlich Gelegenheit zu guten Gesprächen. Insgesamt eine sehr gelungene Veranstaltung, was ausdrücklich den Ort und den Service im Geißbockheim mit einschließt. Wiederholung im nächsten Sommer erwünscht.

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