Hillary ändert das Spiel

Das Foto oben ist ein Screenshot von https://www.hillaryclinton.com/.
hillary-logo
Ob Hillary Clinton 2017 ins Weiße Haus einziehen wird, ich weiß es nicht. Aber eins ist seit dem Tag ihrer Kandidatur klar: die Spielregeln haben sich geändert. Die Presse, das Fernsehen, die traditionellen Medien – sie werden nicht mehr gebraucht. Das Spiel findet ab sofort im Internet statt, und die Spielregeln stellen die Kandidaten auf.

Die Medien haben bisher nicht einmal gemerkt, dass sie außen vor sind. Hillary hielt ihre Bewerbungsrede nicht in irgendeinem großen TV-Network, sondern sie produzierte ein Video und stellte es auf YouTube. Gleichzeitig promotete sie ihre Accounts auf Facebook und Twitter und schaltete ihre neue Website frei. Das war’s. (https://www.hillaryclinton.com/)

Und die Medien? Sie hecheln hinterher, als seien sie noch wichtig, als wüssten sie irgendetwas, was sonst niemand weiß. Aber tatsächlich haben sie nur das Material, das die Hillary-Kampagne zur Verfügung gestellt hat, das Video mit den von ihr ausgesuchten Bildern und ihrem eigenen Statement zurückhaltend erst gegen Ende des Videos.

Es gibt große Schlagzeilen zu Hillarys Logo, einem H mit Pfeil nach rechts, und dass im Web darüber ein Shitstorm hereingebrochen sei. Als ob das eine Überraschung wäre! Jeder, der sich nur ein bisschen im Web auskennt, weiß, dass jedes Hillary-Logo, egal, wie immer es ausgesehen hätte, von Trolls, politischen Gegnern und sicher auch einigen tatsächlich Enttäuschten zerrissen worden wäre.

Es wird debattiert, ob Hillary nicht darauf antworten müsste. Was für ein Unsinn! Muss sie natürlich nicht, denn bisher findet im Web exakt das statt, was die Kampagne geplant hat. Jeder weiß, dass Hillary antritt, jeder kennt ihr Logo, und wenn er beim Anblick eines Krankenhaus-Hs oder eines Rechts-Pfeils an Hillary denkt, um so besser. Und wenn jedesmal, wenn irgendwo das Wort „Champion“ auftaucht oder gesungen wird, die Leute an Hillary denken, ist auch das ein erwünschter Nebeneffekt. „Everyday Americans need a champion. I want to be that champion.“

Da kann „Die Welt“ noch so oft schreiben „Als Erstes muss Hillary dieses Logo loswerden“, da können sich „Spiegel“ & Co. genau so ereifern, alles das ändert nichts an der neuen Tatsache: sie haben in diesem Wettkampf keine aktiv Rolle mehr. Und das dokumentieren sie auch noch dadurch, dass sie nachkauen, was im Netz passiert.

Und das Logo? Ist es nun tatsächlich gut oder schlecht? Es ist vor allem eins: quadratisch – und damit optimal für den massenhaften Einsatz auf Facebook und Twitter. Und es funktioniert sogar als Favicon für die Website!

Gespannt darf man nur darauf sein, wie Hillary und ihre Kontrahenten den Wahlkampf weiter spielen werden. Da wird dann am Ende wohl auch eine ganz normale TV-Kampagne oder Anzeigenserie herauskommen, denn irgendwo müssen die zweieinhalb Milliarden Dollar ja ausgegeben werden. Aber mein Tipp ist dennoch: dieser Wahlkampf wird im Netz entschieden.

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