Nachdenken über Nepal

Foto: Mit Dilu Panta, Vizepräsidentin des Zentralkomitees der Youth Federation Nepal, Yogesh Dakal, Reporter bei The New Paper Kathmandu, Edgar Franzmann, Mohan Prasad Gyawali, Section Officer im nepalesischen Finanzministerium, und Rolf Schmelzer.

Nepal lässt mich nicht los. Während meiner Reise in das Land am Himalaya habe ich nicht nur großartige Schönheit von Landschaften und Kulturstätten erfahren, sondern auch die Bekanntschaft von interessanten Menschen gemacht. Zu einem ganz besonderen Treffen kam es, als Mohan Gyawali vom nepalesischen Finanzministerium ein Abendessen mit der Nachwuchspolitikerin Dilu Panta und dem Journalisten Yogesh Dakal organisierte. An meiner Seite war Rolf Schmelzer, der seit vielen Jahren in Nepal lebt.

Besonders Dilu stritt für Frauenrechte, wurde dabei von den Männern am Tisch sehr unterstützt. Nepal ist eine patriarchalische Gesellschaft, die Staatsbürgerschaft wird traditionell nur über den Vater weiter gegeben. Mit der Revolution 2008, die die Monarchie beendete, wurde die Rolle der Frau deutlich gestärkt. In der Übergangsverfassung heißt es seitdem: Die Staatsbürgerschaft kann durch Vater ODER Mutter weitergegeben werden.

Nun ist es mit der Revolution in Nepal nicht viel anders als in anderen Ländern: Die Reaktion schlägt zurück. Der Beamtenapparat weigert sich, die Gleichberechtigung der Frau tatsächlich anzuerkennen. Im Entwurf der neuen Verfassung soll das Recht denn auch offiziell zurückgedreht werden. Die neue Version lautet: Die Staatsbürgerschaft wird durch Vater UND Mutter weitergegeben, womit beide gemeint sind.

Nun ist die Wirklichkeit aber so, dass in Nepal an die viereinhalb Millionen Kinder bei alleinerziehenden Müttern leben und kein Vater da ist, der eine Einbürgerung unterschreiben könnte. Wer aber nicht eingebürgert ist, erhält auch keine Bürgerrechte – mit allen dramatischen Folgen.

Zum Glück hat die amtierende Regierungsmehrheit bis jetzt noch darauf verzichtet, diesen Verfassungsentwurf mit Mehrheit durchs Parlament zu bringen. Noch herrscht der Wille vor, wenigstens die Verfassung unter möglichst großer Zustimmung zu verabschieden, vor allem auch mit der Zustimmung derjenigen, die die Hauptlast der Revolution getragen haben.

Je mehr ich über Nepal nachdenke, desto mehr spüre ich den Drang, über das Land einen Roman zu schreiben. Seit heute Abend habe ich auch eine erste Idee für einen Krimi zwischen Köln und Kathmandu. Ich glaube, Georg Rubin muss auf die Reise gehen.

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