Dinge, auf die ich verzichten kann. Teil zwei: “Der Spiegel”

Spiegel-Cover: Putin und die Toten aus der MH 17In viereinhalb Wochen auf einem kleinen Schiff (Außenmaße 10 mal 3 Meter) lernt man, sich zu beschränken. Wenig Raum, Wasser, Strom, Gas, Internetbandbreite, Platz im Kühlschrank – das alles aber lässt sich ganz wunderbar ertragen, wenn man sich darauf besinnt, was einem wirklich wichtig ist. Und da landet der Sonnenschein per se weit vorne.

Das “Sich Beschränken” macht so viel Spaß, dass ich mir vorgenommen habe, eine Liste von zehn Dingen zu erstellen, auf die ich gut in der nächsten Zeit verzichten kann. Ein “Ding” habe ich bereits ausgemustert, die App “Foursquare” (siehe Artikel).

Eine Lektüre, die ich offensichtlich auch nicht mehr benötige, ist “Der Spiegel”, wie er sich heutzutage darstellt. Ich gehörte jahrzehntelang zu den “Spiegel”-Süchtigen. Ich hatte nie ein Abonnement (von einem Urlaubs-E-Abo einmal abgesehen), aber dafür fuhr ich beinahe jeden Sonntagabend zum Kölner Hbf, um mir das Exemplar vom folgenden Montag zu kaufen.

Schon länger hatte ich gemerkt, dass mich die Lektüre nicht mehr reizte, oft sogar anödete. Jetzt, in den Wochen auf dem Wasser, habe ich den “Spiegel” überhaupt nicht vermisst (ganz anders erging es mir mit der “Süddeutschen” und meiner Abo-Heimatzeitung “Kölner Stadt-Anzeiger”). Und das, was ich vom Spiegel mitbekam, hat mich eher empört (z.B. Putin-Cover mit den Toten von MH 17).

Der Spiegel hat die Trennung von Nachricht und Meinung nie strikt befolgt, aber was dort immer öfter zu lesen ist, genügt nicht den journalistischen Ansprüchen, die ich an ein Qualitätsmedium anlegen möchte.

Ich werde mir also eine Spiegel-Auszeit gönnen, wobei ich nicht ausschließen will, dass ich mal einen Blick in das im Stammcafé ausliegende Exemplar werfen werde.

Schon Goethe wusste: In der Beschränkung zeigt sich erst der Meister, wobei er vermutlich weder an den “Spiegel” noch an “Foursquare” gedacht haben wird. Ich konnte Fritz J. Raddatz dazu nicht befragen.

Vielleicht werde ich in der gesparten Zeit mal wieder ein Stück Goethe lesen. Oder, was wahrscheinlicher ist, einen guten Krimi mehr.

One thought on “Dinge, auf die ich verzichten kann. Teil zwei: “Der Spiegel”

  1. Endlich mal weiß ich, waarum ich bei google+ bin, denn sonst hätte ich dich und den Beitrag nicht gefunden. Wie wahr, selbst die “guten” werden immer schlechter, wobei ich jetzt nicht streite, wer zu den Guten gehört.

    klein? 10×3?
    lach, wir hatten früher zu dritt (mit Kind) nur 6,60m Außenmaß. Aber es gehört mit zu den schönsten Erinnerungen.

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