Mozart mit iPhone in der Kölner Oper

Mozarts Don Gio­vanni ist einer der gro­ßen Ver­füh­rer der Musik­ge­schichte. In der gefei­er­ten Neu­in­sze­nie­rung in der Köl­ner Oper bedient er sich der neu­es­ten Tech­nik: Mit Video­ka­me­ras über­wacht er seine Villa, mit dem iPhone führt er Buch über seine tau­send­fa­chen Liebschaften.

Don Gio­van­nis Die­ner Lepo­rello (Mik­hail Petrenko) führt Donna Elvira (Maria Ben­g­ts­son) die Lie­bes­lis­ten sei­nes Herrn auf dem iPhone vor - Foto: Forster

Allein in Spa­nien, so will es das Libretto der Oper, hat der rei­che Schwe­re­nö­ter 1003 Geliebte. Wer ihm nicht glaubt, dem beweist er das Gegen­teil durch die Adress­liste in sei­nem iPhone, wo alle Erobe­run­gen mit Bild und Adresse doku­men­tiert sind, bei Bedarf kann das alles auch noch mit Google-Maps ange­zeigt und per Bea­mer an die wei­ßen Wände pro­ji­ziert werden.

In der Köl­ner Oper bringt das einige Lacher und ist nur ein Beleg für Uwe Eric Lau­fen­bergs Regie­kon­zept, der Don Gio­vanni kon­se­quent in der heu­ti­gen Zeit spie­len lässt.

Dass “Masetto” und “Zer­lina” als tür­ki­sches Braut­paar in tris­ter Hoch­haus­land­schaft erschei­nen, macht in Köln Sinn. Aber dass Frauen und Män­ner sich in Bur­kas mas­kie­ren und zum Schluss des ers­ten Aktes sich alle in einer gro­ßen Orgie mit nack­ten Brüs­ten und blo­ßen Hin­tern ver­ei­ni­gen, müsste nicht wirk­lich sein.

Unter­hal­tend ist die­ser Abend alle­mal, auch wenn der zweite Akt sich etwas in die Länge zieht. Man möchte dem Inten­dan­ten den Mut wün­schen, man­ches zu strei­chen, was selbst Mozart nicht immer auf­füh­ren ließ.

Musi­ka­lisch und gesang­lich ist die­ser Don Gio­vanni ein Hoch­ge­nuss. Chris­to­pher Malt­mann, bri­ti­scher Bari­ton in der Titel­rolle, Simone Ker­mes als “Donna Anna”, Mirko Rosch­kow­ski als “Don Otta­vio”, Maria Ben­g­ts­son als “Donna Elvira”, Mik­hail Petrenko als “Lepo­prello”, Wolf Mat­thias Fried­rich als “Masetto”, Clau­dia Rohr­bach als “Zer­lina” und Niko­lai Didenko als “Kom­tur” lie­fern eine gera­dezu himm­li­sche Vor­stel­lung, bes­tens unter­stützt vom Gürzenich-Orchester unter Mar­kus Stenz.

Im Herbst geht diese Pro­duk­tion auf China-Tournee und wird in Shang­hai und Peking zu sehen sein. Musik­freunde in Köln und Umge­bung haben es bes­ser, sie kön­nen die­sen groß­ar­ti­gen Abendim Opern­haus am Offen­bach­platz erle­ben. Nächste Vor­stel­lun­gen: Mi 30. Jun. 2010, Fr 02. Jul. 2010, So 04. Jul. 2010, Do 08. Jul. 2010, So 11. Jul. 2010.

(geschrie­ben für koeln.de)

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