Jürgen Schöns Kritik zu “Millionenallee”

Jür­gen Schön, freier Jour­na­list in Köln, hat im Online-Magazin koeln-nachrichten.de eine Kri­tik über mei­nen Köln-Krimi “Mil­lio­nen­al­lee” geschrie­ben. Schöns Kri­tik gip­felt in dem Lob “flüs­sig und span­nend geschrie­ben, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand lässt, bis man ans Ende kommt”, aber im Detail hat er dann natür­lich doch noch einige Schwä­chen ent­deckt. Eine sehr fun­dierte Besprechung.

Hier der Text:

Debüt mit Mord, Ent­füh­rung und Strip­tease
ver­öf­fent­licht am: 14.11.2009 um 19:00 Uhr

(js) Vor genau 25 Jah­ren begrün­dete der Köl­ner Emons Ver­lag das Mar­ken­zei­chen der Köln­kri­mis und damit der Städ­te­kri­mis über­haupt. Das mit sol­cher Wir­kung, dass man kaum glau­ben mag, dass jetzt mit „Mil­lio­nen­al­lee“ erst der 38. Krimi die­ser Art erscheint. Dazu kom­men 24 his­to­ri­sche Thril­ler, die nicht unter­schla­gen wer­den sollen.

Mil­lio­nen­al­lee“ ist das kri­mi­nale Debüt von Edgar Franz­mann. Dass er schrei­ben kann, wis­sen lang­jäh­ri­ger Leser des Express, hier war er lange Redak­teur. Heute ist er Chef­re­dak­teur von koeln.de. Mit die­sem Buch erfüllt er sich einen alten Traum – und nicht für die Leser, nur für seine Haupt­fi­gur wird das ein Alp­traum. Denn der junge Mil­lio­när Franck von Fran­cken­horst (ein nicht ganz kölsch­ty­pi­scher Name) wird zusam­men­ge­schla­gen und ent­führt, ent­erbt und bei­nahe ermor­det, es geht um Steu­er­hin­ter­zie­hung und Fir­men­pleite. Hinzu kom­men auch ein paar voll­en­dete Morde, ein Strip­tease in aller Öffent­lich­keit, hilfs­be­reite Pen­ner, ein geheim­nis­vol­ler Arzt, ein Hauch Klün­gel und über­ra­schende Wen­dun­gen – gekonnt gemixte Zuta­ten. Kon­se­quent wird allein aus der Sicht Francks erzählt und auf Neben­stränge verzichtet.

Was aber macht einen guten Städ­te­krimi aus? Zunächst muss die Hand­lung gut sein und im Prin­zip über­all spie­len kön­nen (wenn nicht gerade Prinz Kar­ne­val von der Jung­frau ermor­det wird oder einem Berg­stei­ger am Über­hang das Klet­ter­seil durch­ge­schnit­ten wird). Das Lokal­ko­lo­rit soll spar­sam daher kom­men und sich nicht in sei­ten­lan­gen, nicht ein­mal in absatz­lan­gen Beschrei­bun­gen von Stra­ßen­zü­gen und Auf­lis­tung deren Namen erschöp­fen. Ein biss­chen loka­ler Dia­lekt kann nicht scha­den. Auch nicht kleine Anzüg­lich­kei­ten auf lokale Geschichte und Geschich­ten, selbst wenn diese außer­halb nicht ver­stan­den wer­den. Das alles erfüllt „Mil­lio­nen­idee“ in per­fek­ter Dosie­rung. Und dazu ist alles so flüs­sig und span­nend geschrie­ben, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand lässt, bis man ans Ende kommt. Das kommt dann aller­dings sehr abrupt. Es ist zwar durch­aus stim­mig, doch hier wünscht sich der Leser ein biss­chen mehr Erklä­rung, warum…

Doch halt: Auch wenn die letz­ten Sei­ten nicht ganz über­zeu­gen, ver­ra­ten wird nichts!

Edgar Franz­mann: „Mil­lio­nen­al­lee“ – Köln Krimi, Emons Ver­lag, Köln 2009, 192 Sei­ten, 9,90 Euro

Zur “Millionenallee”-Kritik auf koeln-nachrichten.de

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