Geniale “Salome” — Blut­bad in der Designer-Küche

Von EDGAR FRANZMANNN

Opern-Ereignis in Köln: Die Wie­der­auf­nahme von Richard Strauss’ “Salome” in der Insze­nie­rung von Katha­rina Thal­bach wird vom Publi­kum zu Recht gefei­ert. Genial: Cathe­rine Nagel­stad in der Titelrolle.

Die ame­ri­ka­ni­sche Sopra­nis­tin, 2006 von der Fach­zeit­schrift “Opern­welt” zur” Sän­ge­rin des Jah­res” gekürt, hat die Rolle der män­ner­mor­den­den Prin­zes­sin schon an der “Bastille”-Oper in Paris gespielt, jetzt fei­ert sie in Köln Tri­um­phe als “Salome”.

Katha­rina Thal­bach hat das bib­li­sche Gesche­hen der vor über 100 Jah­ren ent­stan­de­nen Oper in eine moderne Designer-Küche ver­legt (Bühne: Momme Röh­r­bein), die erkenn­bar zum Palast des Hero­des gehört und deren Boden aus einem Git­ter besteht, unter dem die Käfige der Gefan­ge­nen liegen.

Einer die­ser Gefan­ge­nen ist Joch­a­naan, Johan­nes der Täu­fer, der allen Ver­lo­ckun­gen der jun­gen Prin­zes­sin wider­steht. Dafür hat es der geile Hero­des auf Salome, seine Stief­toch­ter, abge­se­hen. Doch die for­dert als Lie­bes­be­weis den Kopf des Pro­phe­ten auf einem Silbertablett.

Den berühm­ten Tanz der sie­ben Schleier tanzt Salome in Köln natür­lich eben­falls in der schon erwähn­ten Designer-Küche, die Klei­dungs­stü­cke, die fal­len, sind Geschirr­tü­cher, was der Ero­tik kei­nen Abbruch tut. Die­ser Tanz ist eine gro­teske und “böse Par­odie auf ero­ti­sche Män­ner­phan­ta­sien à la ‘9 1/2 Wochen’” (Köl­ni­sche Rund­schau) mit Mehl­tüte, süßen Früch­ten und Hackebeil.

Der Aus­gang ist bekannt: Hero­des gibt Salo­mes Drän­gen nach, Johan­nes der Täu­fer wird ent­haup­tet. In der Köl­ner Auf­füh­rung ersh­ge­int der Kopf des Pro­phe­ten im Spei­sen­auf­zug und wird von Köni­gin Hero­dias der Toch­ter wie gewünscht auf dem Sil­ber­ta­blett prä­sen­tiert. Salome herzt und küsst den toten Pro­phe­ten und wird auf Geheiß des ent­setz­ten Hero­des erschlagen.

Trotz der blu­ti­gen Story wird die Köl­ner Insze­nie­rung nie pein­lich. Und musi­ka­lisch ist sie ohne­hin erst­klas­sig. Das Gürzenich-Orchester unter Enrico Dovico unter­streicht sei­nen Ruf, die Stim­men sind her­aus­ra­gend. Neben “Salome” Cathe­rine Nag­le­stad ver­die­nen sich Dalia Scha­ech­ter (Hero­dias), Samuel Youn (Joch­a­naan), Ray M. Wade jr. (Nar­ra­both) und Adriana Bati­das Gam­boa (Page) Best­no­ten. Schade nur, dass aus­ge­rech­net Alex­an­der Fedin als “Hero­des” sich stimm­lich nicht immer durch­set­zen kann.

Ins­ge­samt aber eine her­aus­ra­gende Auf­füh­rung, die einen Besuch lohnt. Nächste Auf­füh­run­gen: 15. und 20. März, 2. und 13. April.

Wei­tere Infos zu “Salome” auf der Web­site der Oper Köln.

(Kri­tik geschrie­ben für koeln.de)

Lesen Sie auch

Dieser Beitrag wurde unter Blog, Kultur & Szene, Lesen & Schreiben abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort