140 Zeichen, länger dürfen die Mitteilungen nicht sein, die man der Welt via Twitter liefert. Kann man Lyrik in 140 Zeichen schreiben?
Bekannte Kurzgedichte sind die japanischen Haikus, bestehend aus 17 Silben in drei Zeilen, erste Zeile 5 Silben, zweite Zeile 7 Silben, dritte zeile 5 Silben. Erwünscht (oder sogar vorgeschrieben) ist ein Bezug zur Natur.
Inspiriert von diesen Haikus und den 140 Zeichen auf Twitter habe ich das “Twaiku” erfunden: Ein Haiku, das auf Twitter veröffentlicht wird, also 17 Silben in drei Zeilen, aber maximal 140 Zeichen.
Einige Twaikus der letzten Tage, veröffentlicht auf meinem Account twitter.com/edgarf:
Eingeschneit, allein.
Da ist etwas, das ich dich
noch fragen wollte.
( nach Shiki)
twaiku
ein kleines gedicht
aus hundertvierzig zeichen
oder weniger
(edgarf)
Ja, meine Schnecke
besteig den Fuji, aber
langsam, ganz langsam.
(nach Issa)
Sogar mein Schatten
ist durch und durch gesund an
diesem Frühlingstag.
(Issa)
Wetter-Haiku deutsch-englisch
Holt die Kinder rein!
It’s raining cats and dogs. — Autsch.
Das muss doch weh tun.
(edgarf)
Haiku-Kriminale
An Kinowänden
Die Einschläge von Kugeln
Im Kopf der Besucher.
(Jens Hagen)
Winter-Morgen
Eis auf den Scheiben
Dünn wie ein Nebelschleier
Wo bist du, Frühling?
(edgarf)
Zur Info: Es gibt auch bereits die Lotrees, die im Rahmen von Twitter entstehen: http://www.bublo.de/2008/06/02/lotrees-zwitschern-im-mai-auswahl/
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